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Spuren aus Syrien

31.03.2015, 11:43 von Roberto Graf

Ausstellung, Lesungen und Vorträge – vom 10.-17. März in der Nadelfabrik

Lesung von Suleman Taufiq

1953 ist Suleman Taufiq geboren.  1971 kam er nach Deutschland und studierte Philosophie und Komparatistik, seit 1986 lebt der Deutsch-Syrer in Aachen.  Am 13.3.2015 las er in der Nadelfabrik vor ca. 70 Gästen aus seinem demnächst erscheinenden, neuen Roman „Café Dunja“.

Zum Inhalt: „Café Dunja“ ist die Geschichte von einem aus Damaskus stammenden Studenten, der in Deutschland studiert hat und in seine Heimat zurückkehrt. Der Ich-Erzähler ist ein Bauingenieur, dessen Vater in Venezuela lebt, dessen Mutter jedoch seine Rückkehr nach Syrien ersehnt hatte.   Erzählerisch spannend ist dabei, dass der Roman an einem einzigen Tag spielt. 

Taufiq las am Abend einen Auszug aus dem Buch: Der  Protagonist landet dabei während der  Verfolgung seiner Angebeteten zunächst in einem Parfumbasar und kurz darauf im titelgebenden Café Dunja, wo er in eine Unterhaltung gerät. Während ein alter Mann in Nostalgie schwelgt und über sein Viertel sagt, er glaube „es bleibt ewig so“, der Kellner den Protagonisten jedoch für verrückt erklärt, weil er nach Syrien zurückgekehrt sei, berichtet der Erzähler, wie ihn der Aufenthalt in Deutschland verändert hat.  Wird er in Damaskus seit Wochen von Verwandten willkommen geheißen, habe ihn der Aufenthalt in der Fremde gelehrt, dass er auch außerhalb einer Gruppe, als Einzelner, wichtig sei. Eine Geschichte, die das stets aktuell bleibende Thema der Migration und die damit verbundenen Gefühlswelten aufgreift und welches besonders in multikulturell geprägten Stadtteilen wie Aachen-Ost erlebbar ist.

Im Anschluss liest Taufiq, der von Raed Koshaba an der Laute begleitet wurde, das Gedicht „Eine kleine Sonate von der Nacht“ auf Arabisch und auf Deutsch.  Dann wird das Buffet mit syrischen Spezialitäten und türkischem Tee für die Gäste des Abends eröffnet. 

 

Vortrag  „Syrien – Eine Katastrophe“

Suleman Taufiq sitzt auch wieder mit auf dem Podium, als Jörg Armbruster am 17.3.2015 zu seinem Vortrag „Syrien – Eine Katastrophe“ in die Nadelfabrik kommt.  Noch mehr Zuhörer sind da und beteiligen sich am Ende des Vortrags des ehemaligen ARD-Korrespondenten für den Nahen Osten an einer  angeregten und kontroversen Fragerunde  („Wie soll Assad Teil der Lösung sein?“ „Aufrüstung der Freien Syrischen Armee?“ „Will die PKK einen eigenen Staat errichten?“ u.a.).  Armbruster hatte schon in einem früheren Interview darauf hingewiesen, dass es „nicht um Wahrheit, sondern um Wahrnehmung gehe“ und spricht von dem Wandel in Syrien als einem Land, in dem es in der friedlichen Revolution um ein „System größerer politischer Beteiligung“ gehe.  Das Wort Demokratie wäre ein „schwieriges Wort in Nahost“.

Er schildert auch die Situation der Flüchtlinge im Libanon und Jordanien.  Besonders berührend sind neben genannten Zahlen seine persönlichen Erfahrungen, wie die eindrückliche Erinnerung an die „Flüchtlingskinder mit Plastiksandalen im Schnee“.  Die anwesenden Zuhörer gewinnen durch seinen Bericht an diesem Abend ein eindrucksvolles, wenn auch leidvolles Bild der Situation der Krisengebiete in Nahost.

„Die Unerreichbarkeit der durch Regime, Rebellen und IS-Verfolgten stelle für die Hilfsorganisationen ein großes Problem dar“, so Armbruster.  Außerdem wüchsen Jugendliche heran, die seit vier Jahren keine Schule mehr besuchen könnten.  Diese Analphabeten und Halbalphabeten seien –traumatisiert und geprägt von der Situation im Krieg- somit „leicht ansprechbar für Radikalisierung“. Sein Fazit der Situation in Syrien ist am Ende des Abends verhalten

„Ob das je wieder eine Nation sein kann, da hab ich meine Zweifel“, so Armbruster .

Die Region des Nahen Ostens wird in der nächsten Zeit auch weiterhin Thema in der Nadelfabrik sein. Zwei Filmabende im April im Foyer der Nadelfabrik greifen die Region aus verschiedenen Blickwinkeln nochmals auf:  Am 17. April (19 Uhr) wird der Film „Ein Sommer in New York – The Visitor“ (2007) vorgeführt, ein Film, der die Einwanderungsproblematik zum Thema hat. Am 18. April (19 Uhr) wird der libanesisch-französische Film „Caramel“ (2007) gezeigt, der Geschichten von fünf Frauen in Beirut erzählt.  Der Eintritt ist an beiden Abenden frei.

Gerrit Monnartz

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