Welcome in Rothe Erde

19.12.2014, 11:40 von Roberto Graf

Am 12. Dezember sind die ersten Flüchtlinge in die seit über 2 Monaten dafür vorbereiteten Turnhalle in der Barbarastaße - vorübergehend - eingezogen. Nach aktuellem Stand der Stadt Aachen werden sie am Montag, 22. Dezember in die Franstraße umziehen.

Auch wenn die Stadt Aachen NIE Flüchtlinge in Turnhallen unterbringen wollte, so blieb ihr diesmal doch keine Wahl, weil die geplanten Unterkünte noch nicht bezugsfertig waren. Trotz dieser widrigen Umstände hat sich die Stadt Aachen um einen menschenwürdigen Empfang mit umfangreicher Versorgung bemüht; hierfür danken wir den Mitarbeiter/innen der Stadt Aachen sehr herzlich.

Pfarrer Markus Frohn hat vor Ort die Flüchtlinge nicht nur jeden Tag besucht sondern hat auch das Engagement der vor Ort hauptamtlich aktiven sowie ehrenamtlichen Menschen koordiniert. Als ebenfalls Beteiligter tut es gut, zu spüren, wieviele Menschen mich umgeben, die handfest zum Wohle anderer Menschen aktiv sind und keine dummen Sprüche kloppen. So macht Leben Spaß und Freude; ganz lieben Dank.

Pfarrer Frohn hat sich auch die Mühe gemacht alle Interessierten mit einem täglichen "kurzen Sachstandsbericht"- die Sie nachstehend lesen können - über den aktuellen Stand zu informieren.

Lassen wir nicht locker mit unseren Bemühungen um mehr Freundlichkeit, mehr Achtung und mehr Gerechtigkeit auf unserer einzigartigen Welt. Vielleicht schaffen wir es ja eines Tages, auch die Menschen zu überzeugen, die diese und andere menschenachtenden Begriffe nicht kennen (wollen).

Lesen Sie hierzu auch die Berichte der beiden Aachener Tages-Printmedien AN und AZ in unserer Kategorie "Zeitungsartikel"

Sachstandsberichte von Pfarrer Markus Frohn

13. Dezember 2014

heute mittag bin ich bei den Flüchtlingen (Turnhalle Barbarastraße) gewesen. Der Betreuer sagte mir, dass die Nacht ruhig gewesen sei und es eine gute Stimmung unter den drei Familien gebe. Alle haben sich in der Halle ihren Platz gesucht hinter den schützenden Holzwänden, niemand muss in der offenen Halle schlafen. Damit wurde zumindest ein wenig Intimität ermöglicht. Mit den dreimaligen Mahlzeiten (über Altenheim SKM) hat ebenfalls alles gut geklappt.

Mit dreien waren für mich kleine Unterhaltungen möglich auf englisch und italienisch. Es gibt von einigen Interesse etwas deutsch zu lernen. Dann haben fünf Flüchtlinge nach einem Internetcafé gefragt, um mit der Heimat Kontakt aufzunehmen. Bin dann mit ihnen rüber ins Ostviertel gewandert und habe ihnen das nächste Internetcafé gezeigt. ...

14. Dezember 2014

bin heute abend wieder bei "unseren" Flüchtlingen in der Barbarastraße gewesen. Zuvor habe ich mit dem Betreuer gesprochen. Es ist also rund um die Uhr immer ein Ansprechpartner da, inclusive Nachtschicht. Die Stimmung ist nach wie vor gut und sehr offen.

Die jungen Leute und die Kinder sind eifrig dabei deutsch zu lernen. Hierzu haben sie Wörterbücher bekommen. Da alle auch smartphone bzw. I-Pad besitzen habe ich Ihnen zwei Apps genannt und aufgeladen, mit denen sie sich Texte aus ihrer Sprache (serbisch und albanisch) ins Deutsche übersetzen lassen können (Google Übersetzer) und ein Programm vom Goethe-Institut (50 Sprachen), mit dem sie die Sprache in kleinen Lektionen lernen können. Letzteres Programm läuft auch ohne Internetzugang. Ich muss sagen, wir haben uns so mit Hilfe der Technik bestens "unterhalten".
 
Von Roberto Graf habe ich heute Hinweise bekommen, wer in der Lage wäre, kurzfristig einen kleinen Deutsch-Kurs anzubieten. Darüber wollen wir morgen um halb elf im KiJu sprechen. Ebenso ob es auch da eine Hotspot/WLAN-Möglichkeit geben könnte. Es ist nicht gedacht, in der Turnhalle einen solchen zu schaffen, da die Flüchtlinge ja schon sehr bald in die Franzstraße kommen. Dort haben sie aber dann WLAN. Dies ist für alle eine gute Gelegenheit, sich mit den Verwandten und Freunden in der Heimat auszutauschen und an Informationen zu kommen.
 
Morgen um 14 Uhr werden KiTa und KiJu sich bei den Flüchtlingen vorstellen.
 

15. Dezember 2014

heute um 10:30 Uhr haben wir (Frau Siemetzki, Frau Schützendorf, Frau Hardt und ich) uns zu einem Austausch im KiJu getroffen und noch einmal die wichtigsten Punkte genannt bzw. darüber gesprochen, was die Flüchtlinge in der kurzen Zeit ihres Aufenthalts in der Barbarastraße benötigen. Das Thema WLAN habe ich mit Frau Siemetzki besprochen. Geräte (Handy, I-Pad) haben die Familien ja. Mit Martin Pier habe ich geschrieben. Er bietet an, die pastoralen Kollegen in der Innenstadt auf "unsere" Flüchtlinge aufmerksamzu machen, da diese ja in wenigen Tagen in die Franzstraße "umziehen" werden.
 
Ein weiteres Treffen war dann um 14 Uhr. Die Vertreter der KiTas, des KiJu und Roberto Graf von der Stadtteilkonferenz sind zur Begrüßung mit Gebäck und Blumen bei den Familien gewesen. Frau Knabe war ebenfalls wieder mit dabei. Es war auch Presse (AZ) da. Ein Foto wurde ausschließlich von uns gemacht, nicht von den Flüchtlingen, um die Privatshäre und ein Zur-Schau-Stellen zu vermeiden.
 

17. Dezember 2014

bin heute nachmittag wieder in der Barbarastraße bei unseren Flüchtlingen gewesen. Herr Sain, einer der fünf Betreuer sagte mir, dass der Umzug feststeht. Kommenden Montag morgen werden unsere drei Familien dann in die Franzstraße umziehen. Weiter sagte er, dass damit zu rechnen sei, dass neue Flüchtlinge in die Barbarastraße kommen werden, aber auch wieder Familen.
 
Ab 15.30 Uhr waren dann auch Karl Weber und Peter Quadflieg da, um die Flüchtlinge mitzunehmen zur Weihnachtsfeier in die Marienstraße nach Eilendorf. Wir sind zwei mal hin und her gefahren und hatten dann 16 Leute bei der Feier. An dieser Stelle möchte ich allen Akteuren in Eilendorf ganz herzlich danken für das schöne Fest und für die Gastfreundschaft, die sie auch den "Barbara-Flüchtlingen" entgegengebracht haben.
 

18. Dezember 2014

diesmal möchte ich gerne eine Mail von Kerstin Schützendorf weiterleiten:
 
heute Morgen war ich bei der Adventsfeier in der Grundschule St. Barbara. Es war eine sehr schöne und “beruhigte” Atmosphäre und es waren recht viele Eltern dort.
“Unsere” Flüchtlingskinder waren auch dort und ich bin im Anschluss noch einmal mit in die Turnhalle gegangen, um zu fragen, ob soweit alles in Ordnung ist und ob sie noch etwas brauchen. Sie haben noch einmal für das gelungene Fest gestern Nachmittag gedankt und es geht ihnen soweit gut, auch wenn sie am Montag wieder umziehen müssen. Die ältere Dame hat Bauchschmerzen (sie verträgt unser Essen nicht), braucht jedoch keinen Arzt. Ich habe für den Apotheker einen Zettel geschrieben und ihr Sohn ist dann in die Apotheke gegangen um ein pflanzliches Medikament zu holen.
 
Eda (das Mädchen das gestern so grandios gesungen hat) hat mir erzählt, dass sie gerne singt und dass ihr die Musik hilft. Meine Frage ist: Gibt es eine Möglichkeit sie hier in Aachen singen zu lassen? Auch wenn sie bereits in der Franzstraße sind? Gibt es vielleicht in der Moschee eine Möglichkeit zu singen und könnten wir da einen Kontakt herstellen?  Ich glaube, das wäre für sie im Moment eine riesengroße Freude. Sie möchte keine christlichen Lieder singen, so dass ich sie nicht in den Jugend- oder Kirchenchor einladen kann und da dachte ich an die Moschee? Oder gäbe es weitere Möglichkeiten?
Herzliche Grüße,
Kerstin Schützendorf

22. Dezember 2014

nun sind "unsere" Flüchtlinge in ihren eigenen Wohnungen in der Franzstraße. Heute früh um 8 Uhr war die Spedition da, alles ist verpackt worden. Und gegen halb neun waren dann alle startklar. Allen geht es gut und freuen sich auf den Umzug.
 
Mit von der Partie waren eine Sozialarbieterin von der Stadt Aachen und meine Kollegin Annerose Frey, die mit den drei Familien dann im Linienbus rüber gefahren sind und begleitet haben. An dieser Stelle danke ich herzlich den beiden und allen, die sich ebenfall angeboten haben die Flüchtlinge zu begleiten. Und ich danke allen, die es den Flüchtlingen einfach "etwas schöner" gemacht haben.
 
Unsere drei Familien sind die ersten, die in die neuen Räumlichkeiten in der Franzstraße einziehen werden. Dann wird in Kürze dort auch noch eine 7köpfige Familie erwartet. Insgesamt ist dort nun Platz für 80 Menschen bei insgesamt 20 Wohnungen.
 
Die Turnhalle Barbarastraße bleibt so, wie sie jetzt zur Zeit ist. Wir rechnen also damit, dass wieder Flüchtlinge dort einziehen werden. Der Focus liegt klar auf Familien mit Kindern. Dann sind wir wieder gefragt.
 
Mir bleibt, Euch und Ihnen allen frohe Feiertage zu wünschen. Möge Gott auch in uns neu geboren werden.
 
Gruß
Markus Frohn

Leipziger Straße 19
52068 Aachen

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