Letzte irdische Gärten – Ein Rundgang über den Ostfriedhof

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1803 wurde der Ostfriedhof eingesegnet.  Seit 1988 steht er als eines der ältesten Beispiele moderner Friedhöfe unter Denkmalschutz.  Seit 1989 finden aufgrund des sogenannten „beerdigungsmüden“ Bodens nur noch Urnenbeisetzungen statt.  Der Boden ist zu lehmig, um Erdbestattungen zuzulassen. 

2004, kurz nach der 200-Jahr-Feier des Friedhofes, gründete sich der Förderkreis Ostfriedhof e.V.  Für den Verein bietet der Bauhistoriker und Vorsitzende des Vereins, Dr. Holger A. Dux, einmal monatlich geführte Rundgänge an – vorausgesetzt mindestens drei Teilnehmer kommen zusammen.

Romantisch umrankt von Grün findet sich auf dem Ostfriedhof die ganze Brandbreite der Bestattungskultur durch die Zeiten.  Viele Gräber sind angelegt wie ein privater Garten oder ein kleiner Park.  „Fast wie ein kleines Heiligtum bei Delphi.  Das war eine Mode“, sagt Dr. Dux zu einer Grabanlage aus dem Jahre 1848.  Beim Friedhof sei es wie bei den Hausfassaden, erklärt der Bauhistoriker. „Der Friedhof ist einem ständigen Wandel unterworfen.  Es gibt Moden, Stilwechsel“.  Dabei hinke die Mode auf dem Friedhof aber immer etwas hinter her, weil die Gräber meist von Älteren in Auftrag gegeben würden.

So hätte man eine Zeit lang lieber Engelsfiguren gegossen, die auch seriell angefertigt werden konnten und damit preisgünstiger waren als die Arbeiten eines Steinmetzen.  Weil diese Figuren später dann wieder als Kitsch galten, seien sie in den 50er Jahren zum Teil mit den Gräbern abgeräumt worden. 

Verändert haben sich auch die Inschriften.  Wurden früher noch Berufsbezeichnungen den Namen der Verstorbenen hinzugefügt („Panzerjäger“, „Lokomotivführerwitwe“), ist man heute davon abgekommen.  „Das änderte sich ab der Zeit, wo man für jeden Buchstaben auf dem Grabstein bezahlen musste“, so Dr. Dux.

Diesmal liegt der Schwerpunkt der Führung auf der Geschichte der Aachener Familien, die hier unter anderem beerdigt sind.  So der Stadtphysikus Hartung, ein Armenarzt und Cholera-Fachmann, der Ehrenbürger und Bürgermeister Hermann Heusch, die Frau eines Färbereibesitzers, ein Glasmaler, ein Stellmacher, ein Tuchmacher, der Postkutschenbauer Pauwels, der Schriftsteller Adam Kuckhoff, dem ein Gedenkstein gesetzt wurde.  Die Themen der Führungen variieren.  Der Rundgang dauert ca. zwei Stunden.

Folgetermine:

Mittwoch, 27. Mai, 17 Uhr: Barock bis 1960er – Der Wandel des Geschmacks

Sonntag, 21. Juni, 14 Uhr: Links vom Eingang – Instand gesetzt und gut erhalten

Mittwoch, 19. August, 17 Uhr . Älteste Gräber II – Was man unbedingt gesehen haben sollte.

Sonntag, 27. September, 14 Uhr: Pfarrer, Politiker und ein Polizeipräsident

Mittwoch, 28.Oktober, 17 Uhr: Kribben und Buffa – Lehrersleut´ und Rahmenmacher

Sonntag, 22. November, 14 Uhr: Millionenallee I – Die Gräber entlang der Stolberger Straße

Treffpunkt ist beim Haupteingang am Adalbertsteinweg.  Über eine Spende von 5 Euro zur finanziellen Unterstützung der Arbeit würde sich der Förderkreis Ostfriedhof e.V. freuen.

Weitere Informationen über den Förderkreis Ostfriedhof e.V.  unter www.ostfriedhof.de

 

Gerrit Monnartz

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