Kommt das Kind nicht zum Buch …

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Als Logopädin in der Integrativen Kindertagesstätte ‚St. Josef‘ ist es mir ein großes Anliegen  unseren Kindern zu zeigen, dass das Bücher lesen Spaß machen kann.

Besonders während der Therapie mit sprachentwicklungsverzögerten Kindern greife ich gerne zu Büchern: sie ermöglichen dem Kind neue Einblicke und Erfahrungen, erweitern wirkungsvoll und nachhaltig den Wortschatz und laden zum Austausch ein. Darüber hinaus fördert es ‚ganz nebenbei‘ die Konzentrationsfähigkeit, das Vorstellungsvermögen und das Gedächtnis des Kindes.

Mohamed (4 Jahre alt) gelingt es z.B. in der Gruppe noch nicht so gut, seine Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum hinweg auf eine Sache zu richten. Wenn ich mir aber gemeinsam ein Bilderbuch mit ihm anschaue, liegt er ganz entspannt auf seinem Bauch und alles um ihn herum wird nebensächlich. Er freut sich besonders, wenn er versteckte Gegenstände oder Personen entdeckt hat oder er selber umblättern darf, um als Erster zu entdecken, was auf der nächsten Seite passiert.

Larissa, mittlerweile ein Schulkind, hat das Buch von der Auferstehung Jesu so gut gefallen, dass sie sich daraufhin ein eigenes gebastelt hat und das Ereignis fast wortwörtlich nacherzählen konnte.

Aus meiner Sicht ist es enorm wichtig, Kindern frühzeitig Freude an Büchern zu vermitteln, in der Hoffnung, dass die Leselust sie auch später noch weiterhin begleitet. Aus Gesprächen mit Eltern geht hervor, dass Möglichkeiten, in denen Eltern mit ihren Kindern gemütlich nebeneinander sitzen und sich gemeinsam ein Buch anschauen, leider deutlich seltener geworden sind. Darum haben wir es uns als eines unserer Ziele gesetzt, Bücher wieder näher an das Kind heran zu bringen: neben regelmäßigen Ausflügen in Kinderbüchereien machen wir auch Gebrauch von Bücherkisten, welche jedoch nach einer kurzen Zeit wieder zurückgegeben werden müssen.

Leider steckt unsere eigene Bücherkiste, die durch Spenden ins Leben gerufen werden konnte, noch in den ‚Kinderschuhen‘. Gerade in einer integrativen Kindertagesstätte wie unserer, wo ein vielfältiger Mix unterschiedlicher Herkunft, Religionen und familiärer Situationen zusammenlebt, sind die Interessen und Fragen der Kleinen so verschieden, wie das Leben bunt ist.

Daher hoffen wir, dass wir in Zukunft mithilfe weiterer Spenden unser eigenes Sortiment an Büchern stetig ausbauen können, um den Interessen der Kinder mithilfe dieses wichtigen Mediums gerecht zu werden und, wie in der Überschrift schon angekündigt, um das Buch zum Kind bringen zu können.

Sylvie Oebel

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